Folgeprojekt

Folgeprojekt “Zukunftsfeld Mieterstrommodelle”

Das Folgeprojekt „Zukunftsfeld Mieterstrommodelle“ ist ein Teilprojekt des BMBF-geförderten Verbundvorhabens „BuergEn: Perspektiven der Bürgerbeteiligung an der Energiewende unter Berücksichtigung von Verteilungsfragen“. Im Projekt arbeiten die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (UOL), die innova eG und das Institut für Ökologisches Wirtschaften (IÖW) zusammen.

Ziel des Projekts ist es, die Transformationspotenziale, Erfolgsfaktoren und Umsetzungsherausforderungen von bürgergetragenen Mieterstromprojekten zu analysieren und zu evaluieren. Die Analyse von Organisationsformen und Geschäftsmodellen fokussiert sich auf Deutschland und findet auf der Makro-, Meso- und Mikroebene statt. Außerdem werden die Entwicklungspotenziale durch die Blockchain-Technologie untersucht. Die Ergebnisse fließen in eine Potenzialstudie, einen an Bürgerenergieakteure gerichteten Leitfaden und ein Software-Tool zur Wirtschaftlichkeitsberechnung von Mieterstromprojekten ein. Damit leistet das Projekt einen forschungsbasierten und praxisorientierten Beitrag zur Umsetzung einer dezentralen Bürgerenergiewende.

Hintergrund

“Mieterstrom” bezeichnet Konzepte, bei denen eine direkte Stromlieferung aus lokalen Erzeugungsanlagen an mehrere Abnehmer (z.B. Mietparteien in Mehrfamilienhäusern) stattfindet. Während die ersten Mieterstromprojekte mit Blockheizkraftwerken (BHKW) und der hierdurch nutzbaren Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) umgesetzt wurden, findet in Deutschland seit den 2000er Jahren auch vermehrt die Photovoltaik (PV) Anwendung. Seit einigen Jahren haben auch Bürgerenergiegesellschaften und -genossenschaften Mieterstrommodelle als neues und alternatives Geschäftsfeld für sich entdeckt. Trotz der projektbezogenen Komplexität und dem gesteigerten unternehmerischen Risiko wird das Mieterstrommodell für Energiegenossenschaften als Chance gesehen, bisher unerschlossene unternehmerische Potenziale zu nutzen.

Jedoch ist der regulatorische und marktliche Rahmen für Mieterstromprojekte ambivalent, uneinheitlich und durch unklare Aussichten geprägt. Seit dem Wegfall des Grünstromprivilegs im EEG 2014 erweist es sich als schwierig, die Wirtschaftlichkeit von Mieterstromprojekten zu erreichen. Mit der Umsetzung einer Verordnungsermächtigung aus der EEG-Novelle 2017 plant die Bundesregierung durch eine Förderung eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Mieterstrom. Gleichzeitig haben manche Landesregierungen bereits Förderprogramme aufgestellt, mit denen Investitionen in Zähler- und Abrechnungssystemen sowie Beratungsleistungen und Machbarkeitsstudien gefördert werden. Vor diesem ambivalenten, dynamischen Hintergrund bleibt offen, welche Bedeutung und welche möglichen Formen einer Bürgerbeteiligung der Mieterstrom als “Zukunftsmodell” haben wird.

Forschungsansatz

Das Forschungsvorhaben gliedert sich in drei Betrachtungsebenen. Neben einer (quantitativen) Bestandsaufnahme, Systematisierung und vergleichenden Betrachtung von Mieterstromprojekten in Deutschland (Makroebene) wird eine vergleichende (qualitative) Analyse der Genossenschaft als adäquate Unternehmensform für Mieterstrom stattfinden (Mesoebene) sowie eine transdisziplinäre Fallstudie eines genossenschaftlichen Mieterstromprojekts erstellt, welches mittels Aktionsforschung begleitet wird (Mikroebene). Darüber hinaus werden die Perspektiven der Blockchain-Technologie für Mieterstrommodelle und ihre technische Umsetzung im Detail betrachtet (vom IÖW).

Dabei gilt es, die verschiedenen technischen Möglichkeiten, die zur Anwendung gebracht werden (PV, BHKW, Batteriespeicher), und ihre Kombinationen, wie auch die verschiedenen Akteurskonstellationen und Kooperationsmöglichkeiten, die Bürgerenergieunternehmen zur Verfügung stehen, zu berücksichtigen. Die Erforschung über drei Ebenen hinweg soll nicht nur Erkenntnisse zur besseren Bewertung und Einschätzung von bürgerenergieorientierten Mieterstromprojekten generieren, sondern auch praktisch nützliche Aussagen zur besseren Planung und Umsetzung solcher Projekte hervorbringen.

Weitere Informationen zu den Inhalten des Projekts und den jeweiligen Ansprechpartnern sind im Informationsblatt zu finden.

Laufzeit

06/2017 – 12/2017

Forschungspartner

UOL: Prof. Dr. Bernd Siebenhüner, Dr. Christian Lautermann
innova eG: Dr. Burghard Flieger
IÖW: Dr. Astrid Aretz, Dr. Swantje Gährs

Kontakt

Hendrik Wolter, M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, UOL
Mail: hendrik.wolter@uol.de
Tel.: 0441-798-2983

Dr. Christian Lautermann
Projektkoordinator, UOL
Mail: christian.lautermann@uol.de
Tel.: 0441-798-4843

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