Lebensqualität

AP 2: Energiegenossenschaften und nachhaltige Lebensqualität

AP 2 untersucht die Transformationspotentiale von Energiegenossenschaften (EG) auf der Ebene der individuellen Mitglieder. Dazu fragt das Arbeitspaket nach den Potenzialen, die Mitglieder und Nichtmitglieder den Energiegenossenschaften zuschreiben, um finanzielle, ökologische, soziale und ideelle Ziele zu verbinden und damit die Lebensqualität vor Ortnachhaltiger zu gestalten.

In einem ersten Schritt untersuchen wir in einer repräsentativen Befragung,  wie bekannt EG sind und was Menschen mit EG, insbesondere mit ihren Zielen verbinden. Wir gehen von der Hypothese aus, dass Menschen Mitglied in einer EG werden, um eigene (z.B. finanzielle) und gesellschaftliche Ziele (z.B. Umweltschutz) zu verwirklichen, und dass sich Mitglieder von EG nicht umweltfreundlicher verhalten als vergleichbare Nichtmitglieder. Den Beteiligungsmotiven gegenüber stehen individuelle und strukturelle Barrieren einer EG-Mitgliedschaft, wie etwa Informations-, zeitliche und finanzielle Begrenzungen der Akteure oder Vorbehalte aufgrund von Unsicherheiten bei der Bewertung von EG. Individuelle Beteiligungsmotive und korrespondierende Barrieren werden mithilfe quantitativer und qualitativer Methoden erforscht.

Für die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen EG-Beteiligung und Lebensqualität gehen wir davon aus, dass eine (aktive) EG-Beteiligung zu Veränderungen der Lebensqualität von Mitgliedern beiträgt. EG-basierte Verbesserungen können dabei etwa aus der Wahrnehmung neuer sozialer Teilhabemöglichkeiten resultieren oder durch Einkommenszuwächse durch ausgeschüttete Dividenden und reduzierte Energiekosten. Neben diesen direkten Verbesserungen für die Mitglieder könnten qualitative Veränderungen der Lebensqualität in Richtung Nachhaltigkeit unter anderem dadurch entstehen, dass Einstellungs- und Verhaltensänderungen sich auch auf andere Lebensbereiche auswirken. Hier sind beispielweise erhöhte Problemsensibilitäten, veränderte Kosten-Nutzen-Kalkulationen oder das Aufbrechen von Verhaltensroutinen in Richtung nachhaltiger Konsum- und Lebensstile als „Umweltdividenden“ von EG-Mitgliedschaften denkbar.

Methodologisch bedienen sich die Analysen umwelt- und sozialpsychologischer Verhaltensmodelle (bspw. Theorie des geplanten Verhaltens, Norm-Aktivierungs-Modell) und Ansätzen, die in symbolisch interaktionistischer Tradition stehen (v.a. grounded theory). Die Untersuchungen zur Verbindung von EG und nachhaltiger Lebensqualität greifen zudem auf den Human-Scale-Development-Ansatz des chilenischen Ökonomen Manfred Max-Neef zurück. Dieser Ansatz erlaubt in partizipativen Verfahren die Identifikation von Barrieren, Utopien und konkreten Strategien hinsichtlich nachhaltiger Lebens- und Konsumstile.

Als praxisrelevantes Ergebnis wollen wir herausfinden, welche Ziele Menschen regelmäßig mit ihrer EG-Beteiligung verbinden, was Individuen von einer Beteiligung abhält und welche konkreten Handlungsmöglichkeiten EG und ihre Mitglieder haben, um eine nachhaltigere Lebensqualität zu erreichen. Diese Ergebnisse sollen es EG erleichtern, Strategien zu erarbeiten, um neue Mitglieder zu gewinnen und um einen Beitrag zu einer Nachhaltigkeitstransformation auch jenseits ihrer primären Rolle als Akteure einer dezentralen Energieversorgung zu leisten. Schließlich werden diese Ergebnisse auch so aufbereitet, dass politische Rahmensetzungen ein solches Handeln erleichtern können.

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